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Ronald Pohle zieht folgendes Resümee:

Ich bin sehr zufrieden mit unserer Veranstaltung und freue mich, dass wir dem Leipziger Publikum ein derart qualitatives Angebot unterbreiten. Ein wichtiges Ergebnis ist für mich, dass es in Leipzig durchaus möglich ist, eine Veranstaltung mit einem umstrittenen Buchautoren, wie Sarrazin, durchzuführen. Es ist besonders anzumerken, dass die überschaubaren Demonstrationen gegen die Lesung friedlich und durchaus korrekt abgelaufen sind. Dies sollte in Leipzig ein grundsätzliches Ziel sein, anders lautende Meinungen zu respektieren und eine zivilisierte Auseinandersetzung zu führen. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinwirken, dass niemand das Recht hat, anders denkende Menschen zu diffamieren und als Hetzer, Nazis, Rassisten oder Zecken zu titulieren.

Die Bücher Herrn Sarrazins geben mit Sicherheit ausreichend Stoff für eine kritische Reflexion, sowohl für die kritische Betrachtung unserer Gesellschaft, als auch für die kritische Auseinandersetzung mit den Schlüssen, zu denen der Autor kommt. Besonders in seinem jüngsten Buch geht Sarrazin über eine kritische Gesellschaftsanalyse hinaus. Und gerade durch seinen Bezug auf Zahlen und Statistiken sorgt er für verifizierte Aspekte, bettet gesellschaftliche Entwicklungen auch in ökonomische Zusammenhänge und zeigt damit Probleme auf, die besprochen werden sollten. Er stellt den Zusammenhang zum politischen Handeln her und leitet Forderungen an die Politik ab. Die Bewertung seiner Forderungen bleibt den Lesern überlassen.

Mir war es wichtig, dass wir ein interessantes und faires Gesprächsforum bieten, frei von ideologischer Verblendung und gegenseitiger Schmähung, ganz im Sinne jener demokratischen Diskussionskultur, der jede sich entwickelnde Gesellschaft bedarf. Der Abend bot einen anregenden Austausch, eine Debatte kontroverser Thesen und Fragen mit möglichen Antworten – also den wirtschaftspolitischen Diskurs, den ich mir erhofft hatte. Ich bin überzeugt, dass wir damit einen bleibenden Beitrag zur Leipziger Diskussionskultur geleistet haben.